Art Vernissage

Klaus von Gaffron
gegen den Rest der Welt

Klaus von Gaffron schuf über drei Jahrzehnte lang fotografische Aufnahmen aus der ihn umgebenden Welt, ohne jegliche Form von Nachbearbeitung, und dennoch ist das Motiv seiner Bilder für den Betrachter nie ganz eindeutig zu erkennen. Gaffron verstarb im vergangenem Jahr im Alter von 71 Jahren, nun widmet ihm sein Freund und Künstlerkollege Frank Balve eine besondere Retrospektive.

Geboren 1946 in Straubing, machte Klaus von Gaffron zunächst eine Buchhändlerlehre in München. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste, in dem er sich auf Grafik und Fotografie spezialisierte, engagierte er sich bis zuletzt intensiv für die Künste, besonders für den künstlerischen Nachwuchs und dessen Förderung. So betrieb er beispielsweise ab Ende der 1970er Jahre die non-profit Galerie Gaffron, war ab 1992 erster Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler und ab 2000 in diversen Kunstbeiräten aktiv.

Dabei war er ständig auch selbst künstlerisch tätig und schuf so ein beeindruckendes fotokünstlerisches Oeuvre mit einer ganz eigenen, persönlichen Handschrift. Wohlgemerkt, Gaffron war kein gelernter Fotograf, er verstand sich vielmehr als Maler, was man als Betrachter seiner Arbeiten durchaus nachvollziehen kann: Während man in den Aufnahmen der 1990er Jahre noch hin und wieder die abgelichteten Motive recht eindeutig identifizieren oder zumindest einordnen kann, verunklärt sich das Dargestellte ab Anfang der 2000er Jahre zunehmend. Dabei wählte Gaffron die Bilder stets sorgfältig aus, achtete auf jedes Detail und legte großen Wert auf eine harmonische Bildkomposition.

Wenn man Gaffron beim Fotografieren zusah, konnte man meinen, er habe etwas verloren: Er war immer nah dran am Objekt – oft Blumen und Pflanzen –, nahm Kontakt auf, überlegte gut, bevor er auf den Auslöser drückte. Der Künstler war tatsächlich auf der Suche, allerdings nicht nach etwas Konkretem, sondern nach Ausschnitten aus der Realität, nach Bewegungen und vor allem nach Farbräumen, die er nicht ganz vom Objekt loslöste, aber dennoch absolut in den Vordergrund des Werkes rückte.

Nun werden seine „Fotobilder“ aus zeitlich verschiedenen Werkphasen den Arbeiten weiterer Künstler gegenübergestellt. Mit dieser Ausstellung wird ein einzigartiges Projekt eingeweiht, welches den Künstlern der Stadt als Plattform dienen wird: Im KUNST BLOCK BALVE sind Ausstellungen, Performances und zahlreiche weitere Happenings geplant, welche die vielseitige Kulturszene Münchens zu Begegnung und Austausch animieren sollen. In München ist zurzeit eine rege und qualitätsvolle Kunstszene aktiv, die renommierte Akademie der Bildenden Künste bildet Jahr für Jahr große neue Talente heran, außerdem gastieren stets zahlreiche internationale Künstler in der Stadt, um inspiriert zu werden und neue Sichtweisen einzustreuen. Dabei beschränkt man sich längst nicht mehr auf die traditionellen Techniken wie Malerei und Skulptur, sondern experimentiert mit neuen Medien, Konzept- und Performancekunst, ungewöhnlichen Materialien wie Wachs, Erde oder Bauschaum. Genau dieser Vielfalt wird hier im KUNST BLOCK BALVE nun ein Quartier geboten, ein kreatives Miteinander soll hier gefördert und zelebriert werden: Dem Ruf Frank Balves zu dieser Ausstellung folgten sage und schreibe 64 Teilnehmer. Der Ausstellungsraum wird somit gemäß seiner Bestimmung und der grundlegenden Absicht Balves – ganz im Sinne Klaus von Gaffrons – zu einem vielseitigen Sammelbecken der aktuellen Kunst der Stadt.

Wir sehen eine Schar an zeitgenössischen Künstlern, die zusammengekommen ist, um sich mit einer phänomenalen Bandbreite der ausdrucksvollen Farbwelt des Klaus von Gaffron zu stellen. Es entsteht eine erstaunliche Simultanität von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, eine spannende und energiegeladene Konfrontation der künstlerischen Positionen.

Text: Carolin Koch – freie Kunsthistorikerin