Art/ Music Event

Block Trash Cinema & Staying Alive
19 | 10 | 19

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Kunstausstellung – Block trash cinema & STaying alive

KÜNSTLER

Ken Brown | Nena Čermák | Florian Donnerstag |Gloria Gombar-Claß | Raphael Grotthuss | Verena Hägler | Michael Hofstetter | Verena Kandler | Jessica Kallage-Götze | Annamaria Leiste | Sabrina Lindemann | Claudia Marr | Fumie Ogura | Tobias Ollert | Furkan Sakızlı | Florian Tenk

LINE UP

DJ Fett Burger [Sex Tags Mania], Benjamin Fröhlich [Permanent Vacation], Paul and The Hungry Wolf [Galactico]

Kurator – Frank Balve

All images by KUNST BLOCK BALVE

Kino gibt es bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In dieser Anfangszeit ging es den Filmemachern zunächst einzig darum, jene Dinge die sie gesehen, jene Geschichten die sie gehört oder jene Geschichten die sie sich ausgemalt hatten, in bewegten Bildern auf der Leinwand zum Leben zu erwecken. Zu dieser Zeit war sich noch niemand bewusst, welche Auswirkungen das Kino auf die Gesellschaft haben wird und welche Kenntnisse sich aus Film & Kino auf das gesamte gesellschaftliche Verhalten erschließen lassen werden.

Die Kunstformen Theater und Literatur sind unwiderlegbare Spiegelbilder der Gesellschaft, damals wie heute. Doch nur die Filmkunst besitzt die unvergleichbare Magie der auf Zelluloid eingefangenen, visuellen und klangvollen Präsenz von Personen und Schauplätzen in bewegter, lebendiger Fotografie. Das Studium des Kinos ist ein außergewöhnliches Instrument, um etwas über das menschliche Verhalten, die Entwicklung verschiedener Gesellschaften, sowie deren Geist & Kulturen zu erlernen. Viele behaupten, es gibt kein anderes Medium womit sich die Identität von Nationen, der Charakter eines Volkes und die Erfahrungen ihrer Geschichte besser analysieren lassen.

Heute sehen wir selbst wie Film & Kino als Freizeitaktivität Einfluss darauf nimmt, wie Menschen sprechen, sich kleiden, sich inszenieren und handeln. Selbst wenn es sich um denunzierende, sich auf Konfrontationskurs mit dem herrschenden System begebende Filme handelt, werden durch das Kinos die Hintergründe unserer eigenen Volksseele und die im Land herrschende, interne Gefühlswelt erkennbar und spürbar gemacht. Es wäre beispielsweise für heutige Generationen schwierig die Kriegszeit in Deutschland, den tragischen und grauenhaften Geist der die Welt zur Zeit des Nationalsozialismus bedrohte, ohne Kino umfassend zu verstehen. 

Der Hollywood-Film, der schon seit seinen Anfängen auf einer hoch industrialisierten und rationalisierten Produktionsweise beruht, die von Kommerzialisierung und Gewinnorientierung geprägt ist, stellt bis heute die dominanteste Form der Filmproduktion dar. Hollywood hat es geschafft, die sozialen und kulturellen Lebensweisen, Konflikte und Ideologien zu reflektieren und sind somit ein Spiegel der psychischen und sozialen Befindlichkeit. Zum anderen verkörpern sie aber auch die Träume einer Epoche, die im Widerspruch zur dominanten Ideologie stehen können und sie in gewisser Weise auch dekonstruieren. Folglich wurde das Kino zum vielleicht wichtigsten Medium der Enkulturation. Da es den Herausgebern darum ging, möglichst viele Zuschauer und Zuschauerinnen ins Kino zu locken, wurde deren Träumen, Angsten, Fantasien und sozialen Problemen die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Die gemeinsamen Tagträume einer Kultur wurden zur Grundlage. 

Das Klischee des Kinos der Nachkriegszeit ist klar – keine Experimente, nur nichts riskieren, keine Leichen ausgraben, die Geschichte Geschichte sein lassen. Nicht zu anspruchsvoll und gerne oberflächlich und seicht. Aber auch etwas Frivolität, neckisch und zum totlachen. Es ging um Schönmalerei und Verdrängung, das war wichtig für die Menschen im Nachkriegsdeutschland. Doch die kulturelle Euphorie der ersten Stunde verging schnell. Und es wurde gegen das Schöne gearbeitet. Bewusst und mit Absicht. Der „Trash“ entstand. Merkmale des Trashfilms sind etwa sehr schlechte Schauspielerei, karge und unecht wirkende Ausstattung, billige Spezialeffekte bei denen der wahre Verursacher der Simulation zu erkennen ist, sowie unlogische Handlungsstränge mit platten Dialogen. Das bewusste Übergehen fester Regeln des Films und Nicht-gefallen-wollens findet seine Zielgruppe in einem Publikum, die Gesellschaft & Film aus einer ironischen, satirischen und gesellschaftskritischen Distanz betrachten. 

Die gesteigerte Verfügbarkeit von Filmen durch neue Technologien, die Reaktion des Publikums und die damit verbundene filmische Durchdringung unseres Alltagslebens, unserer Gefühle, Fantasien und unseres Selbst als auch die Erschließung neuer Genres veranlassen zur Frage, wie das Kino unser Leben und unsere Gesellschaft in Zukunft beeinflussen wird.